Elternabend Kinderhaus am 07.02.12
Zur Einstimmung auf diesen Elternabend wurden wir alle mit Filmaufnahmen früherer Kindergartenkinder begrüßt. Sie zeigten jeweils ein Kind in konzentrierter Arbeit am Tisch mit Montessori-Material zum Thema Sprache.
Frau Hill und ihr Team konnten schließlich 19 Eltern begrüßen. Nach einigen organisatorischen Hinweisen, wie der Aufforderung, dass das jeweilige Fach des Kindes täglich geleert werden sollte, stiegen wir in das Thema ein.
Das hieß, dass wir mit den gleichen Konzentrationsübungen wie die Kinder vor dem Stuhlkreis begannen. Auf diese Weise lernten wir diese Übungen gleich praktisch kennen. Dazu zählen das Reiben der Ohren zur Durchblutungsförderung (die so genannte „Denkmütze“), die Über-Kreuz-Bewegungs-Übungen, das Malen einer liegenden 8 und die Schwerkraftleiter. So werden das Gehirn aktiviert und die beiden Gehirnhälften miteinander verbunden. Unterstützt wird dies durch regelmäßiges Wassertrinken.
Frau Hill legte die grundlegende Bedeutung der Sprache für das soziale Zusammenleben, die Identität, die Kultur und die Zivilisation dar. Die Sprache ist quasi der Schlüssel für den Eintritt in die Welt des Menschen oder wie es Maria Montessori einmal ausdrückte: Spracherwerb führt zur Freiheit und Unabhängigkeit, das Kind baut die Basis der Kultur auf.
Die erste und entscheidende sensible Phase der Sprachentwicklung liegt zwischen 0 und3 Jahren und reicht vom Erkennen der Stimme von Mutter und Vater, über die Bildung des Bezugs von Wort und Welt, bis zur Umsetzung in eigenes Sprechen und Fertigung eines ersten Wortschatzes.
In der nächsten sensiblen Phase von 3 bis 6 Jahren wird der Wortschatz erweitert, Logik, Grammatik und Zeiten werden gelernt, die Aussprache verbessert und das Kind beginnt sich schließlich für Lesen und Schreiben zu interessieren. In dieser Zeit braucht das Kind den Erwachsenen als Interpreten, um Welt und Sprache in Beziehung zu bringen. Dies kennen wir alle von unseren Kindern: In dieser Zeit werden die Eltern ganz viel gefragt und was den Eltern so selbstverständlich erscheit, muss das Kind erst lernen.
Mit dem Kind viel zu sprechen und es sprechen zu lassen, fördert natürlich die Sprachentwicklung. Durch Sprachspiele, Geschichten, Lieder, Reime, Zungenbrecher, usw. macht die Sprachförderung dem Kind außerdem Spaß. Doch auch andere Dinge fördern das Sprechen und den Wortschatz. Lebenspraktische Übungen z.B., wie das Backen eines Kuchens, erfordern Kommunikation und einen spezifischen Wortschatz.
Auf die Frage eines Vaters, ob man die Kinder beim Sprechen gleich korrigieren sollte, antwortete Frau Hill, dass dies besser indirekt und eher unbewusst geschehen sollte, etwa durch korrigierte Wiederholung des Gesagten.
Schließlich wurden einige Sprachmaterialien, die die Kinder auch an die Welt der Buchstaben heranführen, vorgestellt und mit Erwachsenen in der Rolle von Kindern durchgespielt. Durch die Zuweisung eines Spielzeugaffen zum A oder eines Elefanten zum E werden die Buchstaben anschaulich. Der Der/Die/Das-Kasten hilft beim Lernen von bestimmten Artikeln vor Hauptwörtern.
Bei Vorschulkindern kann es auch schon erste Lese- und Schreibübungen geben. Kärtchen mit Wörtern werden den sie bezeichnenden Gegenständen zugeordnet. Mit Sandpapierbuchstaben können die Kinder die Form der Buchstaben ertasten und auf einem Tablett mit Reis nachzeichnen.
Im Namen der Eltern möchte ich mich bei Frau Hill und ihrem Team für diesen sehr informativen Abend bedanken. Die sehr durchdachte, kindgerechte und liebevolle Art und Weise, wie in der Montessori-Pädagogik auch auf dem Gebiet der Sprache gearbeitet wird, wurde wieder einmal deutlich.
Thomas Harms
Nachrichten
Termine
Ort: Parkplatz Grundstufe
